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	<title>Thomas Glavinic &#187; Romane</title>
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	<description>Das Leben der Wünsche - Der neue Roman</description>
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	<copyright>Copyright &#xA9; 2010 Thomas Glavinic </copyright>
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		<title>Thomas Glavinic &#187; Romane</title>
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	<itunes:subtitle>Ein Podcast nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Glavinic.</itunes:subtitle>
	<itunes:summary>Wolfgang Tischer vom Literatur-Cafe im Internet und der Autor unterwegs im menschenleeren Wien. Etwas ist beunruhigend anders am Morgen des 4. Juli. Die Romanfigur Jonas durchschreitet ein menschenleeres Wien. Und Glavinic und Tischer folgen ihm, auch wenn ihr Wien - zum Glueck - etwas belebter ist. Insgesamt koennen Sie Thomas Glavinic und Wolfgang Tischer an über einem Dutzend Orte begleiten und so das reale Wien und das Wien aus "Die Arbeit der Nacht" unter Fuehrung des Autors akustisch durchwandern. "Die Arbeit der Nacht" ist erschienen im Hanser Verlag und in jeder Buchhandlung erhaeltlich. Das Blog zum Podcast findet sich unter www.die-arbeit-der-nacht.de</itunes:summary>
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		<title>Thomas Glavinic erh&#228;lt den Literaturpreis 2010</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Jul 2010 10:09:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[auszeichnungen]]></category>
		<category><![CDATA[literaturpreis]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft geht dieses Jahr an Thomas Glavinic. Der Preis wird im Rahmen der Jahrestagung des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft vom 15. bis 17. Oktober 2010 in Chemnitz verliehen. Der Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft ist mit 20.000 Euro einer der am h&#246;chsten dotierten deutschen Literaturpreise in der Sparte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft geht dieses Jahr an Thomas Glavinic. Der Preis wird im Rahmen der Jahrestagung des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft vom 15. bis 17. Oktober 2010 in Chemnitz verliehen.<span id="more-418"></span></p>
<p>Der Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft ist mit 20.000 Euro einer der am h&#246;chsten dotierten deutschen Literaturpreise in der Sparte Prosa, der an einen Nachwuchsautor vergeben wird.</p>
<p>Der Jury unter Vorsitz von Nina Hugendubel geh&#246;rten in diesem Jahr an: Antje Contius (S. Fischer-Stiftung), Michael Kr&#252;ger (Kulturkreispreistr&#228;ger 1978), J&#252;rgen Jakob Becker (Literarisches Colloquium Berlin), Bernd Schwibs (Deutscher &#220;bersetzerfonds), Gregor Dotzauer (Tagesspiegel Berlin) sowie Mitglieder des Gremiums Literatur des Kulturkreises.</p>
<p>Die Jury begr&#252;ndete die Preisentscheidung wie folgt:<br />
&#8220;Die phantastische Konstruktion der Wunscherf&#252;llung scheint bei Glavinic eine Wahrheit der wirklichsten Welt zu enth&#252;llen; das Unm&#246;gliche beginnt als das Wirkliche schlechthin zu erscheinen.&#8221;</p>
<p>Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft engagiert sich seit fast 60 Jahren f&#252;r Kunst und Kultur in Deutschland. Zu seinen Literatur-Preistr&#228;gern z&#228;hlen u. a. Heinrich B&#246;ll, G&#252;nter Grass, Ingeborg Bachmann, Oskar Pastior, Walter Kempowski und Daniel Kehlmann.</p>
<p><em>Quelle: Pressemitteilung Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e.V., 28. Juni 2010</em></p>
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		<title>Wie man leben soll als Taschenbuch</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Jun 2010 15:10:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[taschenbuch]]></category>
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		<description><![CDATA[Ab Juli im Taschenbuch: Man ist traurig. Wieso wurde man in so einer bl&#246;den Zeit geboren? Wieso ist man kein Achtundsechziger? Das war eine Zeit, in der man dick sein durfte und Drogen probieren konnte und in Autos schlief, in denen man von Konzert zu Konzert fuhr, eine Zeit, in der es freie Liebe gab [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.thomas-glavinic.de/wp-content/uploads/cover_TB_wiemanlebensoll.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-384" title="Taschenbuch Wie man leben soll" src="http://www.thomas-glavinic.de/wp-content/uploads/cover_TB_wiemanlebensoll.jpg" alt="Taschenbuch Wie man leben soll" width="84" height="133" /></a>Ab Juli im Taschenbuch: Man ist traurig. Wieso wurde man in so einer bl&#246;den Zeit geboren? Wieso ist man kein Achtundsechziger? Das war eine Zeit, in der man dick sein durfte und Drogen probieren konnte und in Autos schlief, in denen man von Konzert zu Konzert fuhr, eine Zeit, in der es freie Liebe gab und alle auf ihre Kosten kamen, auch die Dicken, sogar die Sch&#252;ler! Zumindest in Amerika! <a title="Zum Buch" href="http://www.thomas-glavinic.de/weitere-buecher-von-thomas-glavinic/wie-man-leben-soll/">mehr…</a></p>
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		<title>Der Kameram&#246;rder &#8211; Film</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Feb 2010 11:16:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[der kameramörder]]></category>
		<category><![CDATA[verfilmung]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Der Kameram&#246;rder&#8221; ist verfilmt worden und ab dem 26. M&#228;rz im Kino zu sehen. Auf der Ungarischen Filmwoche erhielt der &#246;sterreichische Filmemacher Robert A. Pejo den Preis f&#252;r die beste Regie. Den Trailer zum Film sehen Sie hier. Weitere Informationen zum Film gibt es unter www.derkameramoerder.at]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Der Kameram&#246;rder&#8221; ist verfilmt worden und ab dem 26. M&#228;rz im Kino zu sehen. Auf der Ungarischen Filmwoche erhielt der &#246;sterreichische Filmemacher  Robert A. Pejo den Preis f&#252;r die beste Regie. Den Trailer zum Film sehen Sie hier.<span id="more-372"></span><br />
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<p>Weitere Informationen zum Film gibt es unter <a href="http://www.derkameramoerder.at" target="_blank">www.derkameramoerder.at</a></p>
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		<title>Der Roman</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Jun 2009 08:59:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Tischer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>

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		<description><![CDATA[Was steckt hinter dem Handwerk des Romans? Welche Rolle spielt der kleine Michel aus L&#246;nneberga und was ist eigentlich ein Roman? Lesen Sie den Beitrag von Thomas Glavinic, den er f&#252;r Heft 4/2008 der Literaturzeitschrift AKZENTE zum Thema »Roman« geschrieben hat. Wenn ich &#252;ber Literatur schreibe, ob &#252;ber eigene oder fremde, erinnert das Ergebnis zumeist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was steckt hinter dem Handwerk des Romans? Welche Rolle spielt der kleine Michel aus L&#246;nneberga und was ist eigentlich ein Roman?</p>
<p>Lesen Sie den Beitrag von Thomas Glavinic, den er f&#252;r Heft 4/2008 der Literaturzeitschrift AKZENTE zum Thema »Roman« geschrieben hat.</p>
<p><span id="more-189"></span></p>
<p><img src="http://www.die-arbeit-der-nacht.de/wp-content/uploads/buch2.jpg" alt="Die Arbeit der Nacht (Foto: Hanser Verlag)" width="435" height="220" /></p>
<ol>
<li>Wenn ich &#252;ber Literatur schreibe, ob &#252;ber eigene oder fremde, erinnert das Ergebnis zumeist an die Invasion in der Schweinebucht. Es gelingt mir selten, rational zu erfassen, was den Kern der Dinge darstellt. Ich fliege wie ein Blinder durch die B&#252;cher, die ich lese, ziehe jedoch auf mir selbst r&#228;tselhafte Weise Genuss daraus. Mit meinen eigenen geht es mir nur unwesentlich anders. Ich wei&#223;, dass ein Zug gut ist, sagte der kubanische Schachweltmeister Capablanca, aber ich wei&#223; nicht, warum. Wenn ich sage, ich habe keine Ahnung, warum ich dieses oder jenes schreibe, aber ich glaube zu wissen, dass es so sein muss, so klingt dieser Satz vermutlich zum Erbarmen. Aber er ist die Wahrheit, und mit der muss ich leben, denn Wahrheit, nein, Ehrlichkeit ist die Grundtugend des Erz&#228;hlers, Ehrlichkeit dem Stoff und sich selbst gegen&#252;ber.</li>
<li>Ich zitiere gern mit einiger innerer Verzweiflung den Satz Charlie Chaplins, nach dem ein K&#252;nstler, der seine Kunst ganz versteht, kein K&#252;nstler ist, sondern ein Kunsthandwerker. Denn ich habe noch nie eines meiner B&#252;cher umfassend verstanden, und der Satz Chaplins wiegt mich in der Illusion, sogar bei mir k&#246;nnte es sich um jemanden handeln, der nicht tippt, sondern schreibt.</li>
<li>Und au&#223;erdem ist es mir egal, was meine B&#252;cher bedeuten. Ich muss sie nicht verstehen. Ich mag sie, weil sie mein anderes Ich sind, ich bin froh, sie geschrieben zu haben, aber ich habe keine Ahnung, was f&#252;r Geister durch sie marschieren. Ich wei&#223; nur, dass welche da sind.</li>
<li>Ich habe das Gef&#252;hl, in der Literatur geht es letztlich nicht um Stil. In der Literatur geht es auch um Stil. Es geht nicht um Handlung, es geht auch um Handlung. Ich denke, die Atmosph&#228;re eines Romans zeigt, wozu er imstande ist. Die Atmosph&#228;re ergibt sich auch aus dem Stil, auch aus der Handlung, aber da ist nat&#252;rlich noch etwas. Die Atmosph&#228;re ist gewisserma&#223;en der Bote dessen, was hinter dem Erz&#228;hlten liegt. Die Atmosph&#228;re ist das, was vom Wesentlichen des Romans ausgeschickt wird, was im Gegensatz zum Dahinter fassbar erscheint.</li>
<li>Als ich sieben Jahre alt war, bekam ich zu Heiligabend Huckleberry Finn geschenkt. Ich blieb unter dem Weihnachtsbaum liegen und las. Die Erwachsenen wurden immer betrunkener und verga&#223;en mich. Um ein Uhr fr&#252;h hatte ich das Buch zu Ende gelesen. Jeder Schriftsteller ist zun&#228;chst einmal ein Leser (das stimmt nicht ganz; wenn man ein Schriftsteller ist, ist man auch schon als F&#252;nfj&#228;hriger ein Schriftsteller, nur eben ohne zu schreiben), und ich lag mit hei&#223;en Ohren unter dem Weihnachtsbaum und dachte mir: Lieber Gott, bitte mach einen Schriftsteller aus mir.</li>
<li>Ich werde im &#220;brigen nie wissen, ob das Gebet geholfen hat. Literaturwissenschaftler hat es jedenfalls keinen aus mir gemacht, aber darum habe ich auch nicht gebeten.</li>
<li>Das Wesen von Huckleberry Finn finde ich in seiner Atmosph&#228;re. Das Wesen des Buches ist f&#252;r mich Freiheit. Gezeigt wird sie durch den Mississippi. Die Atmosph&#228;re des ganzen Buches entsteht durch den Fluss, der diesen Roman durchstr&#246;mt, der etwas Lebendiges ist und etwas Gro&#223;es, Erhabenes. Etwas, das gr&#246;&#223;er ist als alle Menschen, von denen das Buch handelt.</li>
<li>Das Wesen von Franz Kafkas Prozess erkenne ich in seiner Atmosph&#228;re. Das Wesen von Hundert Jahre Einsamkeit erkenne ich in seiner Atmosph&#228;re. Das Wesen von Die wilden Detektive, das Wesen von Train Dreams erkenne ich in seiner Atmosph&#228;re. Atmosph&#228;re ist aus einer Sprache in die andere &#252;bertragbar. Der Satz, nach dem die w&#252;rdigsten B&#252;cher un&#252;bersetzbar sind, stimmt nicht. Ein gro&#223;er Roman kann sehr wohl &#252;bersetzt werden. Seine Handlung ist wichtig, sein Stil ist wichtig, aber beides ist nicht allein entscheidend.</li>
<li>Ich glaube daran, dass ich mich in den Hinterkopf meines Lesers schreiben kann. Ich glaube, dass ich als Autor im Text Signale an das Unbewusste des Lesers schicken muss.</li>
<li>In meinem Roman Die Arbeit der Nacht, in dem die Hauptfigur Jonas sich als letzter Mensch auf der Welt wiederfindet, taucht sechsmal der Begriff Werkstoff auf. Beim ersten Mal, auf Seite 42, sieht Jonas auf der Stra&#223;e einen umgest&#252;rzten Lastwagen, dessen Ladung aus Werkstoff besteht. Knapp siebzig Seiten sp&#228;ter liest er im leeren Postamt einen willk&#252;rlich aus einem Sackwaggon gezogenen Brief, in dem die Bezahlung einer Ladung Werkstoff eingemahnt wird. Im n&#228;chsten Kapitel riecht es in einem Kellerabteil durchdringend nach Getreide, woraus Jonas schlie&#223;t, dass in einem der Abteile noch immer eine kleine Ladung Werkstoff lagert, mit dem die alten Leute trotz allem noch immer gern im Winter ihre Fenster abgedichtet hatten. Beim vierten Mal steigt ihm der bei&#223;ende Geruch von Werkstoff in die Nase, von dem er meint, er habe sich in den vergangenen vierundzwanzig Stunden verst&#228;rkt. Danach wird noch zweimal der durchdringende Geruch von Werkstoff erw&#228;hnt.</li>
<li>Werkstoff an sich ist gar nichts oder alles M&#246;gliche. Was soll das auch sein? Wohl nur wenige Leser fragen sich an all diesen Stellen bewusst, was gemeint ist. Der Lastwagen hat Werkstoff geladen? So sei es. Eine Ladung Werkstoff ist nicht bezahlt worden, der Leser liest weiter. Es riecht nach Werkstoff? Wird sich aufkl&#228;ren, er liest weiter. Und vergisst es. Aber es ist da, im Kopf des Lesers ist dieser Werkstoff aufgetaucht, der Leser wei&#223;, dass es da etwas gibt, das er nicht versteht. Werkstoff ist ein R&#228;tsel, das dem Leser nur halb bewusst werden soll.</li>
<li>12. Der Werkstoff irritiert. In Die Arbeit der Nacht soll sich der Leser unsicher f&#252;hlen, ohne zu wissen, warum er muss nicht einmal merken, dass er sich unsicher f&#252;hlt. Denn das ist ein Thema des Romans: der Horror, am Leben zu sein und zu wissen, dass da drau&#223;en Milliarden von Menschen, Teufeln, D&#228;monen und Geistern sind, und dass jedes Individuum viel Gl&#252;ck braucht, um von ihnen allen verschont zu bleiben. Nur einer von ihnen muss sich entscheiden, einem das Leben zur H&#246;lle zu machen, und es wird zur H&#246;lle. Die Drohung ist st&#228;rker als ihre Ausf&#252;hrung (Tartakower): Die H&#246;lle kann schon der falsche Gedanke zum falschen Zeitpunkt sein. Jeder Mensch marschiert vom ersten Tag seines Lebens an aus dem Sch&#252;tzengraben heraus auf die feindlichen Stellungen zu, und jedem pfeifen unsichtbare Kugeln um die Ohren. Einige werden fr&#252;her getroffen, andere sp&#228;ter. Getroffen werden alle. Davon handelt Die Arbeit der Nacht, und der Werkstoff soll daran erinnern.</li>
<li>Die Arbeit der Nacht ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Ein Abschnitt hat die Kindheit zum Thema. Jonas f&#228;hrt nach Kanzelstein in die Berge, wo er mit seiner Familie als Kind Urlaub gemacht hat. An diesem Ort gibt es nur zwei H&#228;user: das Ferienhaus selbst sowie nebenan ein Gasthaus, mit dessen Besitzern Jonas´ Familie gut bekannt war. Diese Wirtsleute tragen den Namen L&#246;hneberger. Es gibt einen Holzschuppen, in dem Jonas als Kind gespielt und M&#228;nnchen geschnitzt hat. In der K&#252;che kommt ihm eine Suppenterrine bekannt vor, er ist sich sicher, daraus einst gegessen zu haben, sie ist so tief und breit, dass er fast den Kopf h&#228;tte hineinstecken k&#246;nnen. Er erinnert sich an eine Magd, die Lotte gehei&#223;en und gehinkt hat. Er erinnert sich an den Tag, an dem er zum Helden geworden war: Leo, der Aushilfskellner, hat sich beim Holzhacken verletzt und bekommt Blutvergiftung. Das Tal ist eingeschneit, die Telefonverbindung unterbrochen, das Funkger&#228;t defekt. Niemand kann eine Nachricht absetzen. Der kleine Jonas repariert das Funkger&#228;t, die Nachricht geht hinaus, der Hubschrauber landet bald darauf vor dem Haus, und der Kellner wird gerettet.</li>
<li>Diese Geschichten funktionieren auf mehreren Ebenen. Es spielt keine Rolle, ob man alle versteht. Aber manche Leser werden bewusst, halb bewusst oder ganz unbewusst etwas wieder erkennen, n&#228;mlich die Geschichte eines kleinen Jungen, der, wenn er wieder etwas angestellt hat, in einer Scheune sitzen muss, wo er M&#228;nnchen schnitzt. Der einmal den Kopf in eine Suppensch&#252;ssel steckt und ihn nicht mehr herauskriegt. Dem ein hinkendes Huhn geh&#246;rt, das den Namen Hinke-Lotta tr&#228;gt. Der zum Helden wird, als Leo, der Knecht, sich beim Schnitzen in die Hand schneidet und Blutvergiftung bekommt der kleine Michel bringt ihn mit seinem Pferd nachts durch den Tiefschnee zum Arzt. Der kleine Michel aus L&#246;nneberga.</li>
<li>F&#252;r das umfassende Verst&#228;ndnis des Romans spielt es tats&#228;chlich keine Rolle, ob man als Kind Astrid Lindgrens Michel gelesen hat oder nicht. Wenn nicht, merkt man nichts. Wenn ja, sickert etwas in den Hinterkopf.</li>
<li>Fast das ganze Buch &#252;ber k&#228;mpft Jonas gegen den Schl&#228;fer, die Person, die er in der Nacht ist, die ihm auf Videos, die er von sich selbst nachts aufzeichnet, sehr aggressiv, ja feindselig entgegentritt, die er ist und doch nicht. Das Motiv spielt das ganze Buch &#252;ber eine Rolle, doch nur ein bestimmter Abschnitt des Romans hat Spaltung und Verdopplung zum Thema. In einer Szene besucht Jonas die Wohnung, in der er seine Kindheit verbracht hat. In der Toilette entdeckt er neben dem Sp&#252;lkasten zwei S&#228;tze, die er selbst in seiner Kindheit an die Wand geschrieben hat. Sie lauten: Ich und der Fisch. Der Fs. Und es folgt der Satz: Der sowie das F und das s von Fisch waren durchgestrichen. Viele Leser werden dar&#252;ber einfach hinweg gehen. Wer das nicht tut, wird lesen, was Jonas liest: Ich und ich.</li>
<li>Ich glaube, dass dieses Ich und ich auch vom eiligen Leser wahrgenommen wird. Ich glaube, dass eine Ahnung davon bleibt, ein Echo, etwas, was man wahrnimmt und doch nicht, was kurz da ist, was wir kurz sehen, und dann verschwindet es in uns wohin auch immer. Wir werden es vielleicht nie wieder finden. Doch es ist da.</li>
<li>Der Fisch, griechisch ichthys, steht in der christlichen Symbolwelt f&#252;r Jesus Christus. I steht f&#252;r Jesus, Ch f&#252;r Christus, Th f&#252;r Theos Gott, Y f&#252;r Yios, Sohn, und S f&#252;r Soter, Retter, Helfer, Bringer des Heils. Ichthys, der Fisch, bedeutet: Jesus Christus Gottes Sohn und Helfer. Und das steht an der Wand in dieser Toilette aus seiner Kindheit: Der Fisch wird zu Jonas, Gott ist nur noch in Jonas, der schon zwei Personen ist, er und er, und in Wahrheit vor allen Dingen eins: von Gott verlassen. Gott ist nicht mehr in Jonas. Oder doch?</li>
<li>Nach einer Lesung kam eine Nonne zu mir. Ich erkl&#228;rte ihr, ich halte Jonas f&#252;r jemanden, der m&#246;glicherweise von Gott verlassen ist. Sie lachte und sagte: Das gibt es gar nicht.</li>
<li>Ein wenig beneide ich diese Nonne und den Ausdruck der Gelassenheit und Sanftheit in ihrem Gesicht.</li>
<li>Ich glaube, dass ein Leser all diese Fische und Werkstoffe und kleinen Jungen in Holzschuppen nicht erlesen muss und dennoch wahrnimmt.</li>
<li>Jonas f&#228;hrt schlie&#223;lich nach Schottland, wo seine Freundin Marie gerade ihre Schwester besucht hat, als alle Menschen verschwunden sind. Er sucht nach ihren Spuren, nach dem, was sie zur&#252;ckgelassen hat what you leave behind. Er steht vor dem Haus und denkt &#252;ber Zeitgenossenschaft nach, &#252;ber Mitmenschen, dar&#252;ber, dass es Zufall ist, mit wem man gleichzeitig lebt (kurz vor Ende des Buches kehrt dieses Motiv ein letztes Mal wieder, als Jonas, w&#228;hrend er vom Stephansturm f&#228;llt, erkennt: Zeit ist kein Nacheinander, Zeit ist ein Nebeneinander.). Er denkt dar&#252;ber nach, ob ihm Marie bestimmt war, oder ob vielleicht 40 Jahre sp&#228;ter oder 500 Jahre fr&#252;her eine Frau gelebt hat, gelebt h&#228;tte, die f&#252;r ihn bestimmt gewesen w&#228;re. Er denkt &#252;ber Ber&#252;hmtheiten nach, dar&#252;ber, dass er manchen Menschen einfach dankbar daf&#252;r war, dass sie seine Zeitgenossen (gewesen) waren, und dass er es ihnen gern gesagt h&#228;tte. Darauf geht er zur T&#252;r des Hauses, in dem Maries Schwester und ihr Mann gewohnt haben, und liest an der Gegensprechanlage die Namen der Bewohner.<br />
T. Gane/ L. Sadier<br />
P. Harvey<br />
R. M. Hall<br />
Rosy Labouche<br />
Peter Kaventmann<br />
F. Ibanez-Talaverá<br />
Hunter Stockton<br />
Oscar Kliuna-ai<br />
P. Malachias<br />
Das war der Name. Malachias. So hie&#223; der Mann, der Maries Schwester geheiratet hatte. Der K&#252;ster.</li>
<li>Dies alles ist zun&#228;chst einmal ein halb privates Vergn&#252;gen des Autors aber nicht nur. Tim Gane und Laetitia Sadier sind die pr&#228;genden Mitglieder der Rockgruppe Stereolab, deren psychedelischen Melodien seit f&#252;nfzehn Jahren in meinem Kopf sind, wenn ich schreibe. P. Harvey ist die Rocks&#228;ngerin Polly Jean Harvey. R. M. Hall ist der Musiker Richard Melville Hall, K&#252;nstlername Moby. Rosy Labouche ist eine sehr schrille Figur in Der Supercop mit Terence Hill. Francisco Ibanez-Talaverá ist der Sch&#246;pfer und Zeichner der Clever und Smart-Comics, die in ihrem Heimatland Spanien als Mortadelo und Filemon erscheinen und auch in Die Arbeit der Nacht auftauchen, als Personen, mit denen Jonas gern zusammen w&#228;re, weil sie unsterblich sind. Hunter Stockton ist Hunter S. Thompson, dem ich auf diese Weise einen Gru&#223; ausrichten wollte, ob tot oder nicht. Kliuna-ai ist wieder ein Scherz, so hei&#223;t die Indianerin, in die sich bei Karl May Old Shatterhands Freund Sam Hawkens kurzfristig verliebt; der Name bedeutet bei den Apatschen Mond. Wichtig sind die zwei verbliebenen Namen, Kaventmann und Malachias.</li>
<li>Ein Kaventsmann ist eine aus dem Nichts auftauchende Riesenwelle, die eine H&#246;he von 30 Metern erreichen und ganze Schiffe verschlingen kann. Im Gegensatz zum Tsunami (Hafenwelle) gibt es sie nur auf dem offenen Meer.</li>
<li>Ich glaube, dass diese gigantische Wasserwand dem Leser unbewusst bewusst wird. Ich glaube, sie ist in seinem Hinterkopf. Und wenn sie nicht in seinem Hinterkopf sein kann, weil er den Begriff Kavent(s)mann nicht kennt, glaube ich, dass die Wasserwand auf metaphysische Weise dorthin gelangt. Der Leser muss es nicht wissen. Er muss es nicht verstehen. Es ist trotzdem in ihm. Und verunsichert ihn beim Lesen.</li>
<li>Malachias hie&#223; ein Bischof und sp&#228;terer Heiliger aus dem 12. Jahrhundert, dem verschiedene Weissagungen zugeschrieben werden (die vermutlich wirklich nicht von ihm stammen), deren bekannteste die Voraussage aller P&#228;pste ist (die 111 Papstweissagungen). Sie reicht bis in unsere Gegenwart und weiter. De labore solis bezieht sich auf Johannes Paul II., De gloria olivae auf Benedikt XVI. F&#252;r die Zeit danach sagt Malachias nur noch einen Papst voraus. Danach darf man entweder das Ende des Papsttums oder der Kirche erwarten. Bestenfalls.</li>
<li>Der letzte Papst ist in der Arbeit der Nacht nach der apostolischen Sukzession Jonas selbst.</li>
<li>Ich glaube nicht, dass viele Menschen Malachias kennen. Ich glaube trotzdem, dass er im Hinterkopf des Lesers wirkt. Auch so entsteht Atmosph&#228;re.</li>
<li>Einer meiner &#220;bersetzer sandte mir k&#252;rzlich ein Email mit Fragen und Anmerkungen zum Roman. Im Zusammenhang mit dem Mann von Jonas´ Schwester (Malachias!), der bei mir ein K&#252;ster ist, also ein Kirchendiener, schrieb er: die einen K&#252;ster geheiratet hatte&#8230; Sexton sounds a rather unlikely profession for the English husband of a German girl. I have provisionally called him an English civil servant. Und auf die oben stehende Liste der Namen bezogen schrieb er: The list of residents. I have taken the liberty of modifying the names a little and inserting a couple of Scottish ones.</li>
<li>Ich las dies mit Grimm.</li>
<li>Ich glaube dennoch, dass ein &#220;bersetzer ein Buch nicht restlos ruinieren kann. Ich glaube, dass der Roman &#252;bertragbar ist, denn Spiegel seines Wesens ist die Atmosph&#228;re, die das Unsagbare hinter den blo&#223;en Worten verdeutlicht, das, was sein Kern ist, das, worum es geht, im Roman und in der Welt.</li>
<li>Jonathan Franzen schreibt in Die Unruhezone &#252;ber seinen Germanistik-Professor. Dieser Professor sagt &#252;ber Franz Kafka und den Prozess: Aber Kafka handelt von Ihrem Leben! () Kafka war wie wir. Diese Schriftsteller, das waren alles Menschen, die nach dem Sinn ihres Lebens suchten. Vor allem aber Kafka! Kafka hatte Angst vor dem Tod, er hatte Probleme mit Sex, er hatte Probleme mit Frauen, er hatte Probleme mit seiner Arbeit, er hatte Probleme mit seinen Eltern. Und er schrieb Literatur, um mit diesen Dingen klarzukommen. Davon handelt dieses Buch. Davon handeln alle diese B&#252;cher. Von Menschen aus Fleisch und Blut, die dem Tod und der modernen Welt und dem Durcheinander ihres Lebens einen Sinn zu geben versuchen.</li>
<li>Jonathan Franzens eigene Worte &#252;ber Kafka: () half mir schlie&#223;lich, alle drei Dimensionen bei Kafka zu verstehen: dass ein Mann ein liebenswertes, sympathisches, belustigend bed&#252;rftiges Opfer und ein schl&#252;pfriger, wichtigtuerischer, nachtragender Langweiler sein konnte und, was entscheidend war, noch etwas Drittes: ein flackerndes Bewusstsein, eine Gleichzeitigkeit von str&#228;flichem Trieb und bitterem Selbsttadel, ein Mensch im Prozess.</li>
<li>Ich bin nicht Kafka. Ich bin ein Pygm&#228;e neben Kafka. Aber darum geht es auch in meinen B&#252;chern: um das flackernde Bewusstsein und um den Prozess. Ich will beides erz&#228;hlen und glaube, dass es dazu notwendig ist, &#252;ber die Atmosph&#228;re mit dem Unbewussten des Lesers zu kommunizieren.</li>
<li>Was ist ein Roman? Roman, das ist mehr als eine Gattungsbezeichnung. Roberto Bolanos Erz&#228;hlband Der unertr&#228;gliche Gaucho hat all das, was einen Roman ausmacht (ich wei&#223; leider nicht genau, was das ist). Es ist eines der besten B&#252;cher, die ich je gelesen habe, und in meiner Vorstellung ist es ein Roman. Ein Roman kann ein Wunder sein, ein Roman kann ein Erz&#228;hlband sein und trotzdem ein Roman. Ein Roman kann alles und darf alles.</li>
<li>F&#252;r einen Schriftsteller ist es von Vorteil, umfassend gebildet zu sein. Kenntnisse in Chemie, Biologie, Philosophie, Geschichte sind hilfreich. Zwingend notwendig sind sie nicht. Zwingend notwendig sind zwei Dinge: Ein Schriftsteller muss das Gro&#223;e Geheimnis kennen, und er muss die Dinge erkennen, wie sie sind.</li>
</ol>
<p><small>Dieser Text  ist in Heft 4/2008 der Literaturzeitschrift AKZENTE zum Thema »Roman« erschienen. Mit Beitr&#228;gen von Miguel de Cervantes, Gustave Flaubert, Wilhelm Genazino, Thomas Hettche, Wolfgang Matz, Herman Melville, Martin Mosebach, Milan Kundera, Kathrin Schmidt, Hans-Ulrich Treichel sowie einem Gespr&#228;ch zwischen Ingo Schulze und Norbert Niemann.</small></p>
<div id="_mcePaste" style="overflow: hidden; position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px;"><small>Dieser Text erscheint in Heft 4/2008 der Literaturzeitschrift AKZENTE zum Thema »Roman«</small></div>
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